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Claude Viallat
Wurde 1936 in Nîmes geboren und lebt auch dort. Als Gründungsmitglied
von Supports/Surfaces verkörpert sein Werk die Ästhetik der
Gruppe. Er setzt unaufhörlich deren konstitutive Experimentierung
fort. Sein Schaffen, - ein Begriff, der in der Theorie der Supports/Surfaces
der Kunst oder künstlerischen Schöpfung entgegengesetzt wird
-, gründet auf der Wiederholung einer einfachen Form, die die Funktion
eines Logos übernimmt. Doch die sozusagen zufällig gefundene
Form, deren Apposition auf einen Bildträger den dekorativen Effekten
des mediterranen Wohnraums entlehnt ist, ist nicht unendlich, wie man
so oft gesagt und geschrieben hat. Sie ist organisch und steht im Gegensatz
zu den geometrischen Anordnungen der Wiederholungen von BMPT, und zu den
unleugbar anthropomorphischen Signifikaten. Ihr Gebrauch ermöglicht
folglich die Zerlegung des Bildes in seine materiellen Bestandteile, um
wie am Anfang das Schaffen der Malerei und das dialektische Wechselspiel
zwischen Praxis und beruhigender Theorie am Ende der Modernität wieder
aufzugreifen, das Aufkommen einer Kunst, die sich von jeglicher ideologischen
Abhängigkeit vom politisch-wirtschaftlichen Überbau befreit
hatte.
Auf Bildträgern mit loser Leinwand, die dem Bildchassis seine Struktur
raubt, setzt Claude Viallat seine Form zunächst von links nach rechts
und dann von oben nach unten auf.
Hier verleiht das Material des imprägnierten Trägers, das wortwörtlich
als Reaktion bzw. in Beziehung zur Materie des verwendeten Pigments oder
Farbtons arbeitet, der Form, ohne Webeffekt je nach Wirkart und Textur
eine mehr oder weniger scharfe Kontur, eine mehr oder weniger starke materielle
Dichte und Farbintensität. Daher auch die Erweiterung dieser materiellen
Bearbeitung der Leinwand und Materie durch die Einflüsse der Elemente,
wie z.B. von Luft, auf die auf dem Boden, inmitten der Natur ausgebreitete
oder in einer Straße hängenden Leinwand; wie z.B. von Wasser,
wenn die Leinwand dem Regen oder Schnee überlassen wird; wie z.B.
von Erde, in die die Leinwand mehrere Wochen lang vergraben wird ; von
Feuer, der Form, die dem Verbrennen geweiht ist.Dieser präsokratische
Materialismus führte Claude Viallat dazu, sich für die Bedingungen
und Produktionstechniken der Höhlenkunst und eine primitivistische
Radikalisierung ihres Ansatzes zu interessieren. Daraus ergibt sich die
Produktion von Netzen, Seilen, in Farbe oder Teer getauchten Knoten, und
später von Objekten, deren Ästhetik vor kurzem in einer Ausstellung
bewundert werden konnten. Die Apposition der Form, das theoretische Fieber
von Supports/Surfaces in abgeschwächter Form, hat sich in ein Ritual
verwandelt, in eine Liturgie der Imprägnierung im Bachelard´schen
Sinne des Wortes, auf unterschiedlichen Trägern, wie Storen, Planen,
Sonnenschirmen, aneinander gesetzten Stoffstücken, mit Konturen,
die sich mehr und mehr von den strengen Grenzen des klassischen Bildes
lösen.
Die Werke von Claude Viallat wurden praktisch überall dort in Europa,
Amerika und Asien ausgestellt, wo man moderne und zeitgenössische
Kunst zeigt. Sie sind Bestandteil von fast allen großen öffentlichen
und privaten Sammlungen.
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